Wie finde ich meinen eigenen beruflichen Weg? Phase vor dem Berufseinstieg Entspannt meistern.



Was soll ich jetzt nur machen? Was ist es, was mir Spaß macht? Welchen Job kann ich mir in Zukunft vorstellen? Ich weiß noch ziemlich genau, wie es mir damals am Ende meiner Schulzeit und während der Phase der Berufsorientierung ging. Ich war überfordert und hatte ehrlich gesagt mit 16 Jahren keine Ahnung, wo meine Reise hingehen sollte. Ich machte verschiedenste Tests, die herausfinden sollten, welcher Job denn nun der richtige für mich ist. Die Ergebnisse waren ungewöhnlich und passten eigentlich überhaupt nicht.

Und was nun? Ich gebe es zu. Ich hätte damals Unterstützung gebraucht! Einen Leitfaden oder jemand, der mir einfach hilft mal zu schauen, was in mir schlummert und wofür mein Herz schlägt. Denn meine Eltern waren mir in dieser Situation keine große Hilfe auch wenn sie es versuchten. Wir redeten aneinander vorbei. Sie wollten nur das Beste für mich und schlugen mir Studiengänge und Ausbildungsberufe vor, die ich nicht mochte. Ich fühlte mich nicht verstanden und irgendwie hatte ich immer das Gefühl, ich weiß es besser. Das Ergebnis war ein Jahr ungeplante Auszeit. Hört sich gut an, war es aber nicht, denn bei all meinen Freunden lief das Leben in geordneten Bahnen weiter. Und auch wenn sich schlussendlich alles zum Guten gewendet hat und jede Phase ihre „Learnings“ hatte, war es trotzdem ein sehr langer Weg.


Daher liegt mir das Thema der Berufsorientierung so sehr am Herzen, dass ich es direkt aus 2 Perspektiven beleuchtet habe. Einmal als Hilfestellung für eure Eltern und einmal als Hilfestellung für euch. Weil es einfach zwei Sichtweisen sind, die teilweise unterschiedlicher nicht sein könnten.


Erstmal herzlichen Glückwunsch...


Hey, bald ist es geschafft! Die Schule liegt hinter Euch, die ganze Lernerei, der ganze Prüfungsstress! Stellt Euch vor, wie ihr Euer Abschlusszeugnis in den Händen haltet, den letzten Tag in die Schule geht. Fühlt sich das nur gut an? Oder schwingt da doch gerade eher so ein kleines Gefühl von Unsicherheit, Angst und Orientierungslosigkeit mit?


Das ist kein Drama und völlig normal. Es beginnt ja schließlich ein neuer Lebensabschnitt. Das ist aufregend und ein kleines bisschen beängstigend zugleich. Absolut. Das Wichtigste ist, sich intensiv mit der eigenen Zukunft auseinanderzusetzen und sich die Frage zu stellen, wo die eigene Reise wirklich hingehen soll. Denn sonst geht sie einfach irgendwohin, aber sicher nicht mit Kurs auf ein „glückliches und zufriedenstellendes Berufsleben“. Das musste ich lernen. Aber keine Panik. Das wird schon! Lies einfach in Ruhe weiter...



Leitfaden – wie plane ich aktiv meinen beruflichen Weg


1. Frühzeitig anfangen


Ich denke dieser Punkt ist einer der wichtigsten. Die Zukunft plant sich nicht von allein. Sicher gibt es einige, die ihre Berufung bereits in die Wiege gelegt bekommen haben und schon immer wussten, was sie werden wollen. Für die ist es einfach. Aber den meisten von uns geht es wohl nicht so. Daher ist es wichtig, genug Zeit einzuplanen, um alles in Ruhe machen zu können wie z. B. Praktika, Tests, Informationen einholen oder was auch immer notwendig ist. Wer die Lebenswegplanung mit genug Vorlauf angeht, hat mehr Zeit zum Überlegen, zum Ausprobieren, bleibt einfach entspannter und das macht es wesentlich leichter.



2. Eltern zu Unterstützern machen


Seht eure Eltern als eure Begleiter. Sie können ganz wunderbare und wichtige Unterstützer für euch sein, denn sie kennen euch, können euch wertvolle Ratschläge geben, mit euch Informationen sondieren, euch emotionalen Rückhalt geben, euch ermutigen und bestärken.


Die einen werden ein besseres und freundschaftlicheres Verhältnis zu den Eltern haben, die anderen vielleicht ein nicht so intensives. Die Eltern der einen kennen sich besser in diesem Thema aus und verstehen es hilfreicher zu sein. Bei den anderen liegt die Interessenlage möglicherweise woanders und sie können daher nicht ganz so gut unterstützen. Dennoch wollen vermutlich alle Eltern das Beste für ihre Kinder! Schaut daher nicht unbedingt darauf, was eure Eltern vielleicht nicht so gut können oder wo sie euch in der Vergangenheit keine große Hilfe waren, sondern macht sie aktiv zu euren Unterstützern.


Dafür empfehle ich euch folgendes:


Verstehen: Ihr werdet eure Eltern nicht ändern. Akzeptiert bitte, dass sie sind, wie sie sind. Einige Eltern haben bereits die fertige Lebensplanung für euch in der Schublade, weil sie nur das Beste für euch wollen. Andere lassen ihre Kinder alles alleine machen, in dem Glauben, dass sie das schon schaffen werden. So unterschiedlich sind eure Eltern und genauso unterschiedlich seid ihr. Daher hilft nur ein gegenseitiger Austausch.


Vorbereiten: Überlegt euch vor einem Gespräch, welche Hilfe ihr von euren Eltern gerne haben möchtet und wo sie euch konkret unterstützen sollen. Schreibt es euch am besten auf, das macht es leichter.


Reden: Sprecht mit euren Eltern in einem ruhigen Moment darüber, welche Hilfe ihr konkret benötigt und bittet sie euch in diesen Punkten zu unterstützen (denkt an die Kommunikationsregeln: Ich –Botschaften, Wertschätzend usw.) Etwas ausführlichere Informationen zur richtigen Verhaltensweise im Gespräch findet ihr in meinem Beitrag „Werden Sie zum Coach ihres Kindes“.


Ihr könnt das Gespräch ebenfalls nutzen, um eure Situation zu erklären und über eure Gefühle zu sprechen. Eure Eltern können nicht in euch reinschauen und daher nicht wissen, wie es euch geht und was ihr gerade braucht.


Sicher versuchen eure Eltern euch bestmöglich zu helfen, können es aber manchmal berufsbedingt oder aus anderen Gründen nicht so, wie ihr euch das vorstellt. Das ist nicht leicht, aber auch nicht zu ändern. Sucht euch in diesen Fällen andere Personen, die euch ggf. besser unterstützen können. Habt ihr vielleicht Vorbilder oder weitere enge Bezugspersonen in oder außerhalb der Familie? Sprecht sie an. Vielleicht gibt es hier Unterstützer. Darüber hinaus bietet die Schule sicherlich ebenfalls einige Anlaufstellen, wie beispielsweise die Lehrkräfte für die Berufs- und Studienorientierung.



3. Informationen sammeln


Berufsorientierungsangebote ist das Stichwort. Am besten ihr findet erstmal heraus, was es theoretisch überhaupt alles gibt. So bekommt ihr einen Überblick über die Möglichkeiten. Die Schule bietet hier bestimmt Hilfestellungen und Unterstützungen und ist bestrebt, dass ihr euch intensiv mit dem Thema Berufswahl auseinandersetzt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Angebote von Berufsinformationsmessen über Termine beim Berufsberater bis hin zu Tagen der offenen Tür und zahlreichen Online-Angeboten.


Nutzt die Möglichkeiten, die euch geboten werden und entscheidet selbstständig, welche Angebote ihr nutzen wollt und welche euch wirklich weiterhelfen.



4. Plan machen


Kennt ihr das? Aufgaben, die ihr machen und Entscheidungen, die ihr treffen wolltet, schiebt ihr von einem auf den anderen Tag? Es ist anstrengend sich damit auseinanderzusetzen. Ihr habt gerade keine Lust. Freunde treffen ist besser. Ist ja noch Zeit.


Aber so geht es nicht voran und die Zeit ist ruck zuck um. Nutzt daher doch die Zeit als euren großen Vorteil. Denn nichts ist schlimmer als Dinge aufzuschieben und sich schlussendlich darüber zu ärgern Fristen versäumt und Chancen verpasst zu haben.


Daher empfehle ich euch folgendes:


  • realistisches und messbares Ziel festlegen Überlegt euch ganz genau was euer Ziel ist und bis wann ihr es erreichen wollt (z. B. bis 01.04.2020 möchte ich wissen, in welchen Studiengang ich mich einschreibe/für welche Ausbildung ich mich bewerbe) und schreibt es auf.

  • Aktionsplan erstellen und verfolgen Nun überlegt ihr, was aus eurer heutigen Sicht alles nötig ist, um das Ziel zu erreichen. Sammelt es auf einem Blatt Papier. Holt euch dafür unbedingt Unterstützung von Eltern, Freunden und Vertrauten, denn dann wird die Sammlung umfangreicher. Strukturiert nun alle Aufgaben und erstellt daraus einen Aktionsplan mit konkreten nächsten Schritten (z. B. ich erstelle eine Liste aller Auswahlmöglichkeiten, die für mich in Frage kommen würden oder ich erstelle eine Liste meiner wichtigsten Werte) und schreibt immer dazu, bis wann die Umsetzung erfolgt sein soll. Das macht es verbindlicher. Lasst euch gerne von euren Eltern helfen. Falls sich etwas ändert, solltet ihr den Plan anpassen. Eine derartige Übersicht zu konkreten nächsten Schritten kann euch dabei helfen, den Überblick zu behalten, alles zu bedenken, es frühzeitig anzugehen und das Ziel ganz sicher zu erreichen.



5. Werte und Motive herausfinden


Sicher habt ihr alle schon einmal was von Werten und Motiven gehört. Dennoch möchte ich an dieser Stelle kurz erklären, was das eine und was das andere ist. Denn das ist wichtig, um zu verstehen, warum wir uns damit auseinandersetzen sollten.


Motive sind ganz vereinfacht ausgedrückt unsere unbewussten inneren Antreiber. Aufgrund unserer Motivstruktur sind wir motiviert etwas zu tun oder eben überhaupt nicht, d. h. wir verhalten uns auf bestimmt Weise, weil es so in uns drin ist (z. B. sind wir risikofreudig oder risikoscheu, kontaktfreudig oder eher distanziert zu Menschen, idealistisch oder realistisch, bewegungsfreudig oder bequem usw.). Die „Problematik“ mit den Motiven ist jedoch, dass sie, wie oben bereits geschrieben, unbewusst sind, das heißt in der Regel kennen wir sie nicht, was sich allerdings ändern lässt.


Während Motive angeboren sind, bilden wir unsere Werte im Laufe unseres Lebens in verschiedenen Bereichen (z. B. Familie, Schule, Arbeitsleben...). Sie drücken aus, was für uns wichtig ist und was die Grundlage für unser Verhalten in unterschiedlichen Lebenssituationen darstellt z. B. Disziplin, Ansehen, Ehrlichkeit, Genügsamkeit usw.


Wir handeln also alle Motiv- und Wertegesteuert. Denkt an euren Schulalltag... In welchen Situationen ging es euch richtig gut? Wann seid ihr richtig zufrieden gewesen? Wann konntet ihr Ziele leicht erreichen und habt euch wohl gefühlt? Demgegenüber: welche Situationen haben euch richtig angestrengt? Wann habt ihr euch unwohl gefühlt? In Gruppenarbeiten als Gruppenleiter oder eher als Teammitglied im Hintergrund? Bei Hausarbeiten, wenn ihr euch mit einem Sachverhalt besonders ausführlich beschäftigen musstet oder eher wenn ihr einen spontanen Vortrag halten musstet? Fällt es euch leicht eine Abgabefrist im Auge zu behalten oder macht ihr immer alles in der Nacht zuvor fertig? Habt ihr ein sportliches Hobby, dem ihr mit großem Spaß nachgeht oder schleppt ihr euch ständig nur zum Sport, weil eure Freunde es auch tun?


Das sind nur einige Bespiele, die jedoch eine Menge über eure Motivlage aussagen. Denn machen wir Dinge, die nicht zu unserer Motivstruktur passen, fällt es uns viel viel schwerer uns zu motivieren, diese auch zu tun. Machen wir etwas hingegen im Einklang mit unseren Motiven, kostet es uns viel weniger Kraft. Und warum sollten wir uns das Leben unnötig schwer machen?


Im Einklang mit Werten und Motiven


Will man nun glücklich und zufrieden mit seiner beruflichen Entscheidung sein, sollte man dieses ganze Wissen unbedingt in die Entscheidung mit einbeziehen. Eure Werte könnt ihr leicht herausfinden, indem ihr euch z. B. eine Werteliste (gibt es auch im Internet) nehmt, sie durchgeht und schaut, welche euch spontan ansprechen.


Um einen besseren Zugang zu euren Motiven zu bekommen hört mal in euch rein, schaut auf eure Gefühle und Emotionen und beobachtet euch. Und es geht wirklich darum zu schauen, wann ihr in welchen Situationen völlig zufrieden gewesen seid und wann euch etwas leicht von der Hand ging. Wann ein Verhalten aus euch heraus kam und sich gut angefühlt hat, nicht ein Verhalten, das erwartet wurde oder das euch genutzt hat.


Leben und arbeiten wir nicht im Einklang mit unseren Werten und Motiven, fällt uns das meistens früher oder später auf die Füße. Denn üben wir schlussendlich Tätigkeiten aus, die uns ständig in Konflikt mit unseren Werten und Motiven bringen, ist zu vermuten, dass das krank machen und zu Demotivation führen kann. Möchtet ihr das? Nein? Dann los... Kümmert Euch um Eure Werte und Motive!


Bespiel dazu aus meinem vorherigen Berufsleben:


Eine Teamleiterin musste ständig Entscheidungen treffen, sollte dem Team ein Vorbild sein, Ziele vorgeben und die Richtung bestimmen. Als ich sie in einem Gespräch mit den schlechten Bewertungen ihres Teams konfrontierte, erzählte sie mir, wie sehr sie diese Rolle hasste. Nicht den Job an sich, sondern die Rolle als Führungskraft. Denn die Teamleiterin hatte ein ganz geringes Machtmotiv. Das bedeutet, sie wird lieber geführt, mag gar nicht gerne Macht ausüben und ordnet sich lieber unter. Ihre Rolle strengte sie daher an und sie machte sie darüber hinaus nicht gut. Jeder Tag war daher eine Qual für sie.



6. Fähigkeiten und Interessen


Neben der Erkenntnis über deine Werte- und Motivstruktur, ist es wichtig herauszufinden, was du alles kannst. Dazu zählen deine erlernten Fähigkeiten und vor allem deine Interessen. Auch deine Stärken sind wichtig. Das ist nichts Neues, denn an diesem Punkt setzt meistens alles an, wenn es darum geht herauszufinden, welches das spätere Betätigungsfeld sein könnte. Um deine Fähigkeiten und Interessen herauszufinden, beobachte dich am besten im Alltag.


Einige Fragen:

  • Was macht dir Spaß, was eher nicht?

  • Worin bist du besonders gut?

  • Welche Erfahrungen konntest du bereits machen z. B. in Form von Praktika und Ferienjobs? Was hast du daraus gelernt? Was hat dir gut gefallen, was eher weniger?

  • Welche Schulfächer fallen dir leicht?

  • Welche Themen interessieren dich?

  • Welche Hobbys hast du?

  • Womit beschäftigst du dich am liebsten in deiner Freizeit?


Eine Idee dazu: Beantworte die Fragen schriftlich und schreib alles auf, was dir dazu einfällt. Nimm dir gerne Zeit für deine Sammlung, vielleicht 1-2 Wochen. Setze dich jeden Tag kurz mit dem Thema auseinander. Sei in dieser Zeit ganz besonders aufmerksam und beobachte deine Umwelt. Führe die Liste fort, wenn dir was Neues einfällt. Nach der vorgegeben Zeit oder wenn du das Gefühl hast, dass nichts Neues dazu kommt, nimmst du deine Sammlung an Fähigkeiten, Interessen, Stärken zur Hand und gehst sie durch. Bei welchen Punkten überkommt dich ganz spontan ein gutes Gefühl, wenn du an deine Zukunft denkst? Welche Dinge auf der Liste müssen unbedingt mit in die neue Lebensphase?


Wie zu fast allem, gibt es zu diesem Thema unterschiedliche Tests z. B. Interessentests, Potenzialanalysen u.a. auch im Internet. Macht euch schlau und sprecht im Zweifelsfall den Berufsberater in eurer Schule an. Der kann euch bestimmt weiterhelfen.


Ausbildung oder Studium - Hauptsache das eigene Potenzial entfalten


Als kleiner Mutmacher für alle diejenigen, die sich zunächst vielleicht nicht an der Universität sehen: Wenn ihr nun herausfindet, dass ihr Praktiker seid und ihr eher in einer Ausbildung euer Potenzial voll entfalten könnt, ist es eine wertvolle Erkenntnis für euch und ein guter Schritt Richtung Zukunft. Habt einfach den Mut das zu tun, was ihr möchtet. Und Ausbildungen bieten auch ganz wunderbare Möglichkeiten und schließen ein späteres Studium keinesfalls aus, sondern verhelfen zu einem größeren Erfahrungsschatz und zudem zu Berufserfahrung im Vorfeld.


Vor kurzem habe ich einen Artikel über das Thema Ausbildung und Akademisierungswahn in der Welt gelesen und da hieß es „Einige lieben die groben, andere die feinen Arbeiten. Doch eines verbindet sie alle: die Zufriedenheit“;-)



7. Selbstbild- und Fremdbild


Was sind eigentlich eure Schwächen? Fällt euch spontan was ein?

Ist euch auch schon einmal aufgefallen, dass andere manchmal etwas ganz anderes in euch sehen, als ihr selbst? Manchmal und wenn man darüber spricht, ist es einerseits erstaunlich und andererseits sehr aufschlussreich, wie unterschiedlich die Selbst- und die Fremdwahrnehmungen doch sein können. Das liegt darin begründet, dass wir zu blinden Flecken neigen, das heißt andere wissen etwas über uns, das wir selbst nicht wissen. Wenn ihr beispielsweise sagen sollt, welche negativen Eigenschaften und Schwächen einer eurer besten Freunde oder ein Familienmitglied haben, werden euch verdammt schnell welche einfallen, oder? Aber wenn es darum geht die Fragen nach den eigenen Schwächen zu beantworten sieht es schon schon schlechter aus. Im Hinblick darauf sind wir nämlich häufig „blind“.


Daher ist es ratsam nicht nur zu schauen, was du selbst von dir denkst, sondern auch deine Mitmenschen mit einzubeziehen und diese mal zu befragen. Auch wenn es häufig schwer ist, die Meinung von anderen zur eigenen Person zu hören, ist Feedback ein ganz wichtiger Schritt zur persönlichen Weiterentwicklung und zur Orientierung und am Ende sehr wertvoll, um Neues über sich zu erfahren.

So findest du es heraus:


Über die Bewertung deiner eigenen Charaktereigenschaften und über Dinge, die du gut kannst bzw. nicht so gut kannst, lässt sich dein Selbstbild herausfinden. Beispielsweise im Internet gibt es Listen und Fragebögen zur Selbst- und Fremdeinschätzung, die du zur Unterstützung nutzen kannst. Wenn du dir Gedanken zu deinem Selbstbild gemacht hast, bzw. dich selbst „bewertet“ hast, bitte auch dir nahe stehende Personen dich einzuschätzen. Das ist dann das Fremdbild.


Wichtig ist der Dialog mit deinem Feedbackgeber, denn hier kannst du dann ganz genau herausfinden, wie das eingeschätzte Verhalten von anderen wahrgenommen wird, in welchen Situationen du dies zeigst und was genau du dann tust oder sagst. Frage auch nach konkreten Beispielen. Das hilft dir, es besser zu verstehen. Anschließend vergleiche dein Selbst- und Fremdbild. So siehst du vielleicht wo mögliche Stärken von dir liegen, die du so noch nicht gesehen hast oder aber in welchen Bereichen du dich noch verbessern könntest.



8. Entscheidung festigen und Umfeld miteinbeziehen


Hast du mehr oder weniger die Entscheidung getroffen, was du gerne machen möchtest oder sind zumindest einige Studiengänge, Ausbildungswege oder der Schritt ins Ausland in der engeren Auswahl?


Dann empfehle ich dir (wenn du es bis hierher noch nicht gemacht hast): probier es so umfänglich wie möglich aus und sammele so viele Informationen, wie du nur kannst. Das liegt einfach daran, dass wir uns häufig etwas ganz anderes unter einer Ausbildung oder einem Studiengang vorstellen, als es am Ende wirklich ist. Als ich beispielsweise Betriebswirtschaft studiert habe, war ich überrascht, wie viele von meinen Kommilitonen eigentlich kein Mathe mochten;-)


Vorstellung und Realität abgleichen


Wenn Ihr also Studieren wollt, schaut genau hin, ob euch der Studiengang nicht nur oberflächlich, sondern auch wirklich (über Jahre) interessiert. Das macht alles am Ende viel leichter. Informiert euch, was die Studienschwerpunkte sind. Sprecht mit Menschen, die diesen Studiengang bereits begonnen oder abgeschlossen haben. Schaut ob es Infoveranstaltungen der Hochschule gibt, an der ihr studieren wollt oder ob ihr mal eine Vorlesung besuchen könnt. Überlegt auch, was ihr später mit dem Abschluss anfangen könnt und wo ihr danach arbeiten wollt. Was sind Eure Erwartungen? Was sind die Anforderungen an den Studiengang? Schaut genau hin und hört in Euch rein, ob es das wirklich ist.


Analog dazu verhält es sich mit Ausbildungen oder anderen Zukunftsplänen. Das heißt, wollt ihr eine Ausbildung machen, schaut ob es Schnuppertage gibt, ob ihr vorher ein Praktikum machen könnt oder ob ihr mit Menschen sprechen könnt, die diesen Job ausüben, um auch hier herauszufinden, ob der Beruf sich nicht nur gut anhört, sondern euch auch in der Praxis überzeugt.


Prüft am Ende welche der gesammelten Informationen für euch relevant sind und welche nicht. Erfahrungen von anderen können beispielsweise eine wertvolle Hilfe sein. Entscheiden solltet ihr schlussendlich aber alleine.


Habt ihr dann etwas für euch gefunden, lasst euch nicht beirren und verfolgt euren Weg.



9. Nicht in Panik verfallen


Du sollst jetzt eine Entscheidung treffen, die für die nächsten Jahre dein Leben bestimmt. Das ist schwer. Keine Frage. Dazu gibt es zahlreiche Möglichkeiten, was du nach der Schule alles machen kannst: beispielsweise in Deutschland gibt nahezu 20.000 Studiengänge, über 300 Ausbildungsberufe und zudem die Möglichkeiten zunächst ein Au-pair, einen Freiwilligendienst im In- oder Ausland oder erstmal ein Praktikum zu machen. Puh! Und dann haben deine Eltern vielleicht auch noch eine Erwartungen an dich und du willst sie ja nicht enttäuschen. Das alles ist ganz schön viel Druck, oder?


Aber Stress und Überforderung sind überhaupt keine guten Ratgeber in Bezug auf deine Zukunftsplanung. Panik leider auch nicht. Darin kann man allerdings schnell verfallen, insbesondere dann, wenn die Zeit knapp wird. Daher ist Punkt 1 so wichtig. Unter Druck und mit einem Chaos im Kopf neigen wir jedoch vermutlich eher dazu, nichts mehr zu regeln und alles aufzuschieben. Doch das ist ja nicht das Ziel. Das Ziel ist vermutlich eher eine Idee für die Zukunft zu finden.


Daher ist es wichtig ruhig zu bleiben. Für jede Situation gibt es ganz sicher eine Lösung und auch du wirst irgendwann wissen, was du machen möchtest, da bin ich ganz sicher.



Auch Eine Auszeit kann helfen


Wenn du nun doch einfach noch nicht soweit bist, schau ob eine geplante Auszeit dir helfen könnte. Beispielsweise ein Jahr im Ausland, ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Au-pair können dich dabei unterstützen, neue Erfahrungen zu sammeln, deinen Horizont zu erweitern, Abstand zur Schulzeit zu bekommen und dann mit frischer Energie das Thema Zukunftsplanung anzugehen.



Fehlentscheidung - Wenn es anders kommt als geplant


Es kann immer passieren, dass man sich am Ende für das „Falsche“ entscheidet. Der Studiengang passt nicht, die Ausbildung gefällt nicht. Aus welchen Gründen auch immer. Auch wenn es nicht erstrebenswert ist, ist es auch kein Weltuntergang! Jede Entscheidung die wir treffen birgt die Gefahr der Fehlentscheidung. Was wir tun können ist, dies als wertvolle Erfahrung zu verbuchen, uns den Fehler einzugestehen und ihn versuchen zu korrigieren. Und dann geht es weiter.


Wie es bei mir weiterging...


Um meine Geschichte von oben noch einmal kurz aufzugreifen und zu Ende zu führen... Nach meinem Jahr Auszeit und der großen Gewissheit, dass es so (soll heißen: jobben bei einer Zeitung und keinen Plan für die Zukunft) nicht weitergehen kann, hatte ich mich für eine Ausbildung zur Justizfachangestellten entschieden. Behörde und Sicherheit hörten sich nicht schlecht an und waren meinen Eltern zudem irgendwie wichtig. Also startete ich mit 17 Jahren das Abenteuer Ausbildung.


Leider stellte ich ziemlich schnell fest, dass diese Ausbildung so überhaupt gar nicht zu mir passte. Zwar fand ich fast alle rechtlichen Themen spannend, aber die Arbeit als „Servicemitarbeiter“ war alles andere als einTraumjob für mich. Gut, dachte ich mir, Augen zu und durch. An Abbrechen war nicht zu denken. Das wollte und konnte ich meinen Eltern unmöglich antun. Also absolvierte ich diese Ausbildung mit wenig Motivation, war aber irgendwie immer sicher, dass es das nicht sein konnte. Nach der Ausbildung wollte ich direkt was anderes machen, das war aber gar nicht so einfach. Also blieb ich für 2,5 weitere Jahre in diesem Job, bis ich die Reißleine zog. Mit 24 Jahren war es noch nicht zu spät. Ich kündigte, holte mein Abi nach und ging studieren. Während ich in der Ausbildung immer mittelmäßig war, war ich auf einmal Klassenbeste bzw. zählte zu einer der Besten im Studium. Klar! Ich war motiviert und hatte meine eigene ganz bewusste Entscheidung getroffen. Allerdings dauerte mein Umweg 6,5 Jahre. Das ist eine sehr lange Zeit.



Wenn ihr mögt, dann habe ich diesen Rat für euch:


Seid mutig – Entscheidet aktiv und lasst nicht für euch entscheiden.


Auch wenn der gesellschaftliche Druck oder der Druck eurer Eltern enorm ist und ihr das Gefühl habt, es gibt sowieso nur einen bereits vorbestimmten Weg für euch, hinterfragt das. Wenn ihr etwas nicht mögt, dann werdet ihr es sicher auch in einigen Jahren nicht mögen. Nehmt Hilfestellungen und Ratschläge anderer an, denn es kann eine wunderbare Chance darin liegen, aber am Ende ist es euer Leben und eure Zukunft, daher auch eure Entscheidung. Es gibt so viele Möglichkeiten in welche Richtung es gehen kann. Informiert euch, nehmt das Treffen dieser Entscheidung aktiv in die Hand und weicht, wenn es sein muss, auch mal von der Norm ab.


Stärkenorientierung ist wichtig, Motivorientierung meiner Meinung nach noch wichtiger. Schaut zuerst was ihr wollt, was ihr mögt und wofür euer Herz wirklich schlägt. Dann schaut was ihr könnt. Scheut euch nicht davor, euch jede Hilfe und Unterstützung zu holen, die ihr braucht.


Wenn ihr das macht, was ihr machen möchtet und zudem das, was ihr könnt und was euch Spaß macht, kann es eigentlich nur gut werden. Nur bitte überschätzt euch auch nicht. Schaut einfach was Ihr bisher geschafft habt und seid stolz auf euch, aber seht auch mal genau hin wo Ihr gerade steht: am Berufsanfang. Startet mit Selbstbewusstsein, aber meint bitte nicht alles schon zu können. Dann werdet ihr ganz sicher Erfolg haben und zudem zufrieden sein. Dann wird es ein guter Einstieg und ihr könnt euer Leben entspannt weiter planen.


Hinweise:

  • Hilft euch dieser Leitfaden nicht weiter und ihr kommt nicht voran mit eurer Planung, sucht euch aktiv externe Unterstützung (z.B. Coaching, Beratung).

  • Kommt es bei euch zu Hause immer wieder zu Konflikten im Bezug auf das Thema Berufsorientierung, sucht euch einen Dritten, dem ihr vertraut und der möglicherweise vermitteln kann.

  • Benötigt ihr oder eure Eltern finanzielle Unterstützung bezüglich eurer Ausbildung, sucht nach speziellen Beratungsangeboten zur Finanzierung. Macht euch schlau was möglich ist oder welche Alternativen es bei zu hohem finanziellem Aufwand gibt.

Ich wünsche euch viel Erfolg bei allem, was ihr anfangt.


Welche Erfahrungen habt ihr bisher machen können? Was hat euch bisher geholfen, was eher weniger. Hinterlasst gerne ein Kommentar.

Ich freue mich auf Sie!

Sie möchten ein Coaching anfragen? Oder haben noch Fragen zum Thema? Gerne!

Schreiben Sie mir oder rufen Sie mich an!

Folgen Sie mir!

Calle de Moralzarzal 42, 28034 Madrid

+34 684165785

  • Schwarz Facebook Icon
  • Schwarz LinkedIn Icon

© 2019 Anja Schneider I Impressum I Datenschutz I AGBs